Proxima Centauri b – ein erdähnlicher Planet ?

Der spannendste der Exoplaneten von Proxima Centauri ist der, der schon 2016 entdeckt wurde: Proxima Centauri b. Er ist wahrscheinlich nur wenig schwerer als die Erde und somit ein erdähnlicher Gesteinsplanet mit fester Oberfläche. Außerdem umkreist er seinen Stern in einer Entfernung von 7,3 Millionen km, ungefähr 5% des Abstands zwischen Erde und Sonne. Da sein Heimatstern allerdings nur ein leuchtschwacher Roter Zwerg ist, befindet er sich damit in der habitablen Zone. So wird die Zone um einen Stern genannt, in der die Temperatur genau richtig ist, damit flüssiges Wasser auf der Oberfläche dort verorteter Planeten existieren könnte. Im Sonnensystem befindet sich die Erde ungefähr in der Mitte dieser habitablen Zone, während sich ihre „Nachbarn“ Venus und Mars an der inneren bzw. äußeren Grenze aufhalten.

Aufgrund seiner Lage innerhalb der habitablen Zone sollte Proxima Centauri b eigentlich optimal für Wasser auf seiner Oberfläche und damit wahrscheinlich auch für Leben geeignet sein. Doch seine Nähe zu Proxima Centauri bringt auch einige Schwierigkeiten mit sich.
So ist der Exoplanet starken Gezeitenkräften vonseiten seines Sterns ausgesetzt, die ihn sehr wahrscheinlich in eine gebundene Rotation zwingen. In dem Fall würde ein Tag auf Proxima Centauri b genauso lange dauern, wie ein Jahr: 11 Tage und 4 Stunden. Das hätte drastische Folgen: Der Planet würde seinem Stern immer dieselbe Seite zuwenden. Somit würde sich die Tagseite des Planeten stark aufheizen, während seine Nachtseite sich stark abkühlen würde. Wäre kein planetenumspannender Wasserozean vorhanden, der diese Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht wenigstens teilweise ausgleichen könnte, wäre Leben möglicherweise nur noch an der Grenze zwischen Tag und Nacht, in ewiger Dämmerung, möglich.

Ein weiteres Problem ist die energiereiche Strahlung im UV- & Röntgenbereich von Proxima Centauri. Rote Zwerge sind zwar äußerst lichtschwach, doch im Verhältnis zu ihrer Gesamtleuchtkraft strahlen sie deutlich mehr energiereiche Strahlung ab, als Sterne wie unsere Sonne. Hinzu kommt, dass Proxima Centauri b deutlich geringer von seinem Heimatstern entfernt ist, als die Erde von der Sonne. Insgesamt sorgt das dafür, dass der Exoplanet eine deutlich höhere Belastung an energiereicher Strahlung auszuhalten hat, als die Erde.

Nur ein starkes Magnetfeld, wie das Erdmagnetfeld, könnte mögliches Leben auf ihm schützen. Ob Proxima Centauri b ein solches Magnetfeld besitzt, ist ungewiss. Und selbst wenn dies der Fall wäre, ist noch immer ungewiss, ob er eine Atmosphäre besitzt, die für Leben aller Wahrscheinlichkeit nach essenziell ist. Denn Proxima Centauri strahlte in seiner Jugend, vor einigen Milliarden Jahren, noch deutlich mehr energiereiche Strahlung ab, als heutzutage. Hätte sich Proxima Centauri b in der gleichen Entfernung zu Proxima Centauri gebildet, in der er heute seine Bahnen um letzteren zieht, so hätte diese starke „Jugendstrahlung“ vonseiten des Sterns die Atmosphäre des Exoplaneten bereits zerstört. Hätte er sich hingegen weiter weg von seinem Stern gebildet und wäre dann in Richtung seines Sterns gewandert, könnte er noch immer eine Atmosphäre besitzen.

Schließlich gibt es noch ein drittes potenzielles Problem. Während Sterne wie unsere Sonne ziemlich ruhig sind, sind Rote Zwerge deutlich aktiver. Leider bildet Proxima Centauri in diesem Fall keine Ausnahme. Immer wieder gehen von ihm starke, energiereiche Strahlungsausbrüche aus. Die Kombination aus starken Strahlungsausbrüchen und niedriger Entfernung zwischen Stern und Planet hat das Potenzial, Leben auf Proxima Centauri b unmöglich zu machen. Doch es gibt Hoffnung, denn es wurden Hinweise darauf gefunden, dass die Strahlungsausbrüche des Sterns größtenteils in Richtung des Nord- bzw. Südpols stattfinden. Da sich Planeten meistens ungefähr auf der Höhe des Äquators um ihren Stern bewegen, könnte Proxima Centauri b also größtenteils von den Ausbrüchen seines Heimatsterns verschont bleiben.

Ob Proxima Centauri b wirklich bewohnbar ist, wissen wir nicht. Über den Exoplaneten selber wissen wir nur die Entfernung zu seinem Stern und seine Mindestmasse. Der Rest ist reine Spekulation, die auf unserem bisherigen Kenntnisstand beruht. Festhalten lässt sich allerdings, dass Proxima Centauri b zwar etwas schlechtere Voraussetzungen hat, als die Erde, aber trotzdem das Potenzial besitzt, bewohnbar zu sein. Doch die einzige Möglichkeit, um herauszufinden, ob der Exoplanet wirklich bewohnbar ist, ist hinzufliegen und nachzugucken…

Quellen:
J. Hattenbach, „Proxima B – unser unbekannter Nachbar“, Spektrum kompakt „Exoplaneten 2“, S. 57 ff. (2017)
J. Hattenbach, „Wie habitabel ist Proxima B?“, Spektrum kompakt „Exoplaneten 2“, S. 63 ff. (2017)
https://de.wikipedia.org/wiki/Proxima_Centauri_b
Bildquelle: Pixabay (Autor: AdisResic)

von Moritz


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